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Was bedeutet "Ins Gelände fahren"?

Missverständnisse über Lawinen

Fast jeder hat heutzutage eine Meinung über “Ins Gelände fahren”. Aber wenn man Kommentare und Artikel in der Zeitung oder auch Online liest, wird einem schnell klar, dass die wenigsten genau wissen was mit ‘Ins Gelände fahren’ gemeint ist. Wo hört die Piste auf und wann bist du im freien Gelände? Wann ist eine Variante eine Skiroute?

Piste

​Pisten sind markiert und präpariert, die Breite ist definiert, es wird kontrolliert und vor alpine Gefahren geschützt. Dadurch kann man eine Piste befahren, ohne sich um Gefahren, wie etwa Lawinen, Gedanken zu machen.

Sicherlich muss man auch auf der Piste Hindernisse, wie etwa Bäume oder Liftstützen, berücksichtigen. Vorsicht ist auch gegenüber anderen Skifahrern und Snowboardern, die vielleicht noch keine gute Technik haben, geboten. Der große Vorteil einer Piste ist, dass sie immer bei einem anderen Lift oder wie bei der Talabfahrt in einem Dorf endet. Im Gegensatz dazu ist dies bei Geländefahrten nicht immer der Fall.

 Eine Piste ist auf der Karte deutlich eingezeichnet und mit Tafeln und manchmal auch mit Seilen markiert. Sie wird darüber hinaus auch präpariert und kontrolliert.

Eine Piste ist auf der Karte deutlich eingezeichnet und mit Tafeln und manchmal auch mit Seilen markiert. Sie wird darüber hinaus auch präpariert und kontrolliert.

Markierung
Pisten werden markiert, es wird also exakt angegeben, wo du sicher abfahren kannst. Eine Piste wird mit Tafeln in den bekannten Farben grün, blau, rot oder schwarz bzw. mit Begrenzungen, die links und rechts auf der Piste stehen, markiert. Bleibst du innerhalb dieser Begrenzungen und folgst du den Tafeln, dann bist du auf der Piste.

2008 hatte ein deutscher Skifahrer extrem viel Pech. Durch einen Sturz, fiel er über die Piste hinaus ins Gelände. Er verursachte durch den Sturz eine Lawine, wurde in eine Mulde mitgerissen und eineinhalb Meter tief begraben. Weil er keine geeignete Ausrüstung bei sich hatte (er wollte ja eigentlich auf der Piste bleiben) wurde er erst nach relativ langer Zeit gefunden. Der Mann verstarb noch am selben Tag im Krankenhaus.

Kontrolle
Die Pisten werden durch den Pistendienst im Skigebiet kontrolliert. Das wird am Anfang, während des Tages und ab einer im Skigebiet angegebenen Zeit am Abend (letzte Kontrollfahrt des Pistendienstes) gemacht. Gibt es genügend Schnee? Herrscht akute Lawinengefahr? Sind noch Personen unterwegs? Wenn eine Piste geschlossen ist, hat das immer einen Grund. Zum Beispiel werden einige Pisten (oft am Anfang und am Ende der Saison) geschlossen, weil zu wenig Schnee liegt. Aber auch bei zu viel Schnee oder akuter Lawinengefahr werden Pisten oder Teile davon vorübergehend oder zur Gänze geschlossen. Hänge, die oberhalb von Pisten liegen (und dadurch eine potenzielle Gefahr für die Piste sind) werden durch Sprengungen zuerst lawinensicher gemacht.

 Wenn eine Piste gesperrt ist, dann meistens aus Sicherheitsgründen. Übertrete dabei nicht die Absperrung. Wer weiß, vielleicht wird gleich eine Lawine gesprengt.

Wenn eine Piste gesperrt ist, dann meistens aus Sicherheitsgründen. Übertrete dabei nicht die Absperrung. Wer weiß, vielleicht wird gleich eine Lawine gesprengt.

Präparierung
Eine markierte und kontrollierte Piste wird im Grunde genommen immer präpariert. Ist dem nicht so, dann sprechen wir entweder von einer Skiroute oder handelt es sich um eine schwarze Buckelpiste mit hohem Schwierigkeitsgrad.

Skiroute

Eine Skiroute ist eine Abfahrt, die durch den Pistendienst markiert und teilweise kontrolliert, aber nicht präpariert wird. Die Skiroute ist daher ideal um erste Schritte in ein unpräpariertes Gelände zu wagen. Skirouten sind nicht in jedem Skigebiet zu finden, aber wenn es sie gibt, dann sind sie auf der Karte vermerkt. Skirouten können (wie jede Piste) geöffnet oder geschlossen sein.

Markierung
Eine Skiroute wird durch Tafeln, die in der Mitte der Skiroute stehen, markiert. Die gesamte Breite einer Skiroute ist von Land zu Land verschieden. In Österreich ist dieser Abstand 30 m. 15 m links und 15 m rechts der Skiroutenmarkierung. Bis zu 15 m links und rechts dieser Tafeln befindest du dich auf der Skiroute. Weiter weg als 15 m bist du im freien Gelände. Der Unterschied zur Pistenmarkierung ist, dass dort die Piste an beiden Seiten markiert wird und somit die Piste eindeutig erkennbar ist.

 Die Skirouten sind auf der Karte meistens strichliert eingezeichnet. Dabei stehen die Tafeln in der Mitte der Skiroute.

Die Skirouten sind auf der Karte meistens strichliert eingezeichnet. Dabei stehen die Tafeln in der Mitte der Skiroute.

Kontrolle
Eine Skiroute wird teilweise durch den Pistendienst kontrolliert. Bei geöffneten Skirouten ist die Lawinensicherheit nur im unmittelbaren Bereich der Markierung gegeben. Wenn eine Skiroute geöffnet ist, dann kannst du davon ausgehen, dass diese lawinensicher ist, wenn du im unmittelbaren Bereich der Skiroutenmarkierung bleibst. Das ist auch schon der Unterschied zur normalen Piste. Denn bei einer Piste merkst du sofort ob du noch auf der Piste bist oder nicht – die präparierte Piste endet direkt bei der Pistenmarkierung. Auf der Skiroute wird nicht präpariert, daher darfst du dich nicht zu weit von der Skiroutenmarkierung entfernen, denn die Markierung in der Mitte der Skiroute ist die einzige Markierung auf einer Skiroute. Das bedeutet, dass keine Puffer oder Stoßfänger um Bäume geschnürt sind bzw. Netze gespannt sind, die dich bei Stürzen aufhalten. Darüber hinaus wird eine Skiroute am Ende des Tages NICHT vom Pistendienst kontrolliert!

Präparierung
Eine Skiroute wird nie präpariert (nur wenn aufgrund von Sprengungen ein Teil der Skiroute präpariert werden muss). Darum findest du dort alle möglichen Schneearten. Die Realität zeigt, dass sich Skirouten schnell zu Buckelpisten verändern. Auf der Suche nach besserem Schnee weichen daher viele Menschen in die weniger “buckeligen” Bereiche einer Skiroute aus und sind dann schnell außerhalb der 30 m Zone. Dort bist du dann im freien Gelände!

Variante und freies Gelände

​Variante und freies Gelände, oder kurz gesagt "Off-Piste" bedeutet ganz einfach außerhalb der Piste. Und so wortwörtlich muss man es auch nehmen. Dieses Gebiet ist nicht kontrolliert, präpariert oder markiert. Wenn du die Piste oder die Skiroute verlässt, begibst du dich ins freie Gelände (außerhalb der Piste). Auch wenn du nur einen Meter neben der Pistenmarkierung fährst um den frischen Schnee zu spüren. Meistens verläuft alles gut, aber es sind leider Fälle bekannt, wo sich direkt neben der Piste eine Lawine entwickelt hat. Abseits der Piste ist im freien Gelände!

 Abseits der Piste beginnt das freie Gelände. Es wartet unverspurter Pulverschnee, aber auch viele Gefahren.

Abseits der Piste beginnt das freie Gelände. Es wartet unverspurter Pulverschnee, aber auch viele Gefahren.

Markierung
Freies Gelände wird nicht markiert. Es stehen keine Tafeln oder Begrenzungen, die dir den Weg zeigen. Du setzt dich alpinen Gefahren aus, wie etwa Abgründen, Felsen, Gletscherspalten und noch viel mehr. Da nichts mehr gekennzeichnet ist, bist du für deine Entscheidungen selbst verantwortlich. Das kann zum Beispiel auch bedeuten, dass du keinen Skilift mehr erreichen kannst.

Kontrolle
Abseits der Piste wird nichts kontrolliert. Hier hat die Natur freien Lauf und am Ende des Tages gibt es keine Kontrolle vom Pistendienst.

 Auch direkt neben der Piste befindet man sich im freien Gelände! Dabei ist es irrelevant wie nahe du dich an der Pistenmarkierung befindest.

Auch direkt neben der Piste befindet man sich im freien Gelände! Dabei ist es irrelevant wie nahe du dich an der Pistenmarkierung befindest.

Präparierung
Im freien Gelände wird nicht präpariert und so gibt es nicht nur Pulverschnee sondern auch viele weitere denkbaren Schneearten. Von Eis über Bruchharsch und Sulzschnee bis hin zu schneefreien Stellen.

Grenzen (Boundaries)

Die Begrenzungen der Skigebiete (mit markierten Pisten) sind nicht in jedem Land gleich. Jeder, der schon einmal in den Vereinigten Staaten, Kanada, Neuseeland oder Japan Ski fahren war, weiß, dass man dort mit sogenannten "Boundaries" (Grenzen) arbeitet. In diesen "Boundaries" wird alles durch den Pistendienst kontrolliert. Eine "Ski-Area Boundary" ist die Grenze eines Skigebietes. Bleibst du innerhalb dieser Grenze, wo sich auch die Pisten befinden, dann kannst du davon ausgehen, dass der Pistendienst alles auf alpine Gefahren kontrolliert hat. 

Eine Grenze (Boundary) ist markiert. Innerhalb dieser Markierung ist alles kontrolliert und größtenteils auch präpariert. Dadurch kannst du innerhalb dieser Grenze überall abfahren, ohne über Lawinen nachzudenken (obwohl es immer ein Restrisiko gibt). Abgründe gibt es trotzdem, diese sind allerdings gut mit Tafeln markiert. Und nicht vergessen, eine NoGo Area = eine NoGo Area!

 Die Grenze (Boundary) ist auf der Karte orange eingezeichnet. Auf der Piste ist ein Seil um das gesamte Gebiet gespannt und in regelmäßigen Abständen stehen Warnschilder. Innerhalb dieser Linie ist es sicher, außerhalb ist es dein eigenes Risiko.

Die Grenze (Boundary) ist auf der Karte orange eingezeichnet. Auf der Piste ist ein Seil um das gesamte Gebiet gespannt und in regelmäßigen Abständen stehen Warnschilder. Innerhalb dieser Linie ist es sicher, außerhalb ist es dein eigenes Risiko.

Wie funktioniert eine Grenze (Boundary)?
Stell dir ein Skigebiet (zum Beispiel Les Quatre Vallées in der Schweiz) vor. Zeichne einen Kreis um das Gebiet – alles innerhalb dieses Kreises ist kontrolliert. Also nicht nur die Pisten, sondern auch alles was dazwischen ist. In den USA und Kanada wird wenig mit Lawinenpiepser, Schaufel und Sonde gefahren, weil man sie innerhalb der Grenze des Skigebiets nicht braucht. Innerhalb der Grenze lauern noch andere alpine Gefahren wie beispielsweise Abgründe, Felsen, Bäume usw. Auf diese Gefahren muss man selbst Acht geben. Ist eine Abfahrt oder eine Rinne geschlossen, dann hat das einen Grund.

 Ohne LVS, Schaufel und Sonde im freien Skiraum? Innerhalb der angegebenen Grenze (Boundary) kein Problem. Hier wird alles kontrolliert.

Ohne LVS, Schaufel und Sonde im freien Skiraum? Innerhalb der angegebenen Grenze (Boundary) kein Problem. Hier wird alles kontrolliert.

Außerhalb der Grenze
Verlässt du die vorgegebene Grenze eines Skigebietes, dann bist du auf dich selbst angewiesen. Du befindest dich dann im freien Skiraum des Skigebietes. Das ist sehr gut vergleichbar mit der europäischen Definition von "Off-Piste". Hier bist du für deine Entscheidungen, deine Sicherheit, und die eventuelle Rettung bei einem Unglück selbst verantwortlich. Der Name "Freier Skiraum" ist auch bekannt unter den Namen Backcountry, Sidecountry oder Slackcountry. In vielen Fällen haben Skigebiete an der Grenze (Boundary) und an geeigneten Stellen Öffnungen platziert. Von dort aus kann man in den freien Skiraum einfahren.

Zusammenfassung
Das Gebiet außerhalb der kontrollierten und markierten Zonen bildet den Unterschied zwischen Funsport und Extremsport und damit den Unterschied ob die Verantwortung beim Pistendienst oder einzig und alleine bei dir selbst liegt.

Videos, Grafiken, Orientierung, andere Informationen oder Content (die "Inhalte") auf dieser Website sind nur für den allgemeinen Bildungs- und Informationszwecke geeignet. Dieses mit dem Grund um das gesamte Sicherheitsbewusstsein im Gelände zu erhöhen. Der Inhalt ist weder beabsichtigt, fachlichen Rat einzuholen oder einen Ersatz für fachliche Beratung. Der Inhalt ist keineswegs einen Ersatz für einen Grundkurs Lawinenkunde. Der Benutzer dieser Website sollten wissen dass Freeriden im Gelände inhärent ist an Risiken sowie schweren Verletzungen oder der Tod. Der Nutzer dieser Website sollte einen qualifizierten Alpinkurs in einem Lawinenzentrums machen.

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