Diese Information ist Teil der Salomon Mountain Academy. Der Ausgangspunkt für jeden, der abseits der Piste Skifahren oder Snowboarden will. Das gesamte Wissen als Fundament, zur Auffrischung oder als Nachschlagewerk.

Jetzt kostenlos starten!

Aufbau der Schneedecke

Schnee und Wetter

Die Schneedecke besteht aus verschiedenen Schichten. Dicke, dünne, harte, weiche, gebundene, starke und schwache Schichten. Sie entwickeln sich aufgrund von Wettereinflüssen und durch kontinuierliche Prozesse in der Schneedecke während des Winters. Aus diesem Grund haben wir uns auch ausgiebig den drei Faktoren einer Schneebrettlawine gewidmet. Zwei dieser Faktoren (die gebundene Schicht und die Gleitschicht) befinden sich in der Schneedecke.

In diesem Kapitel werden wir über den Aufbau der Schneedecke sprechen. Damit wollen wir dir bewusst machen, was Naturgesetze sind und wie du damit umgehen kannst. Nichtsdestotrotz ist es unabdingbar den Lawinenlagebericht zu lesen. Der Lawinenwarndienst weiß, was sich in der Schneedecke abspielt und überwacht den Schneefall den ganzen Winter über.

Viel Schnee ist besser als wenig Schnee

Lawinen werden sehr schnell mit viel frischem Schnee in Verbindung gebracht – in der Praxis sind große Schneefälle aber gar nicht so schlimm. In schneereichen Wintern gibt es normalerweise deutlich weniger Lawinenopfer als in schneearmen Wintern, weil der Schneedeckenaufbau besser ist. Der Grund dafür ist schnell erklärt: Die Gefahr, dass du durch die oberste dicke Schicht hindurch auf eine schwächere Schicht Druck ausübst, ist viel geringer, wenn die oberste Schicht eine besonders dicke Schicht ist.

Aber auch in schneereichen Wintern kommt es vor, dass Hänge aufgrund des Windes weniger Schnee haben und man deshalb gerade hier sehr vorsichtig sein muss. Denn in schneearmen Hängen kannst du schneller eine Schwachschicht stören und damit eine Lawine auslösen.

Dicke, vergleichbare Schichten sind besser als dünne, unterschiedliche Schichten

Dicke, vergleichbare Schichten sind besser als dünne, unterschiedliche Schichten, da die Möglichkeit, eine schwache Schicht zu stören, viel geringer ist. 90 % aller Lawinen mit tödlichem Ausgang werden durch die Wintersportler selbst ausgelöst. Auf welcher Schneedecke wird der Druck auf Schwachschichten größer sein: Auf der Schneedecke mit 3 m Dicke oder auf der dünnen Schneedecke mit 1 m? Auch die Temperaturunterschiede in der Schneedecke sind kleiner. Dicke, homogene Schneeschichten sind also im Allgemeinen besser als dünne unterschiedliche Schneeschichten.

 Lawinen entstehen dort, wo die Schneedecke am dünnsten ist.

Lawinen entstehen dort, wo die Schneedecke am dünnsten ist.

Der Schnee der heute an der Oberfläche liegt ist vielleicht die Schwachschicht von Morgen

Blauer Himmel, Sonne und Kälte, die Idealvorstellung von vielen Wintersportlern. Hält die Kälte und das schöne Wetter einige Zeit an, dann entsteht eine schöne oberste Schicht, die das Sonnenlicht reflektiert: der Oberflächenreif. Er besteht aus groben, kantigen Schneekristallen. Traumhaft zum Befahren – bis es zu schneien oder zu wehen beginnt. Denn eine längere Kälteperiode ist der Baumeister einer neuen, sehr schwachen Schicht. Denn Oberflächenreif in Kombination mit Schnee oder Wind gilt als ein Klassiker der Lawinenunfälle. Vor allem in der Nähe von Bächen und kleineren Flüssen können große Mengen an Oberflächenreif entstehen. Aber auch in Schattenhängen, wo keine Wärmequelle vorhanden ist.

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie sich gefährliche Situationen entwickeln können:

  • Die bekannteste ist der Oberflächenreif in Kombination mit Wind und Neuschnee. Innerhalb kürzester Zeit entsteht eine gebundene Schneeschicht auf einer sehr instabilen Schicht bestehend aus Oberflächenreif. Wenn die Hangneigung dann auch noch mehr als 30 Grad aufweist, sprechen wir von einer sehr gefährlichen Situation.
  • Die weniger bekannte Variante ist der Oberflächenreif in Kombination mit Wind. Triebschnee kann auch entstehen wenn der Wind den älteren Schnee verfrachtet. Fällt dieser Triebschnee auf den Oberflächenreif, dann sprechen wir ebenso von einer sehr gefährlichen Situation, die oftmals stark unterschätzt wird.

 Es wird eine klare Nacht. Hier entsteht Oberflächenreif.

Es wird eine klare Nacht. Hier entsteht Oberflächenreif.

Für Graupel gilt das Gleiche wie für Oberflächenreif. Graupel sind Schneekristalle die dem Hagel ähneln. Auch diese Art von Schneekristallen kann eine Schwachschicht formen, wenn frischer Schicht Neuschnee darauf fällt.

Viel befahren: ein mildernder Umstand

Der Ausdruck "viel befahren" bezieht sich auf Hänge die nach jedem Schneefall befahren werden. Dadurch hat die Schneedecke keine Chance eine Schwachschicht aufzubauen.

Allerdings wird dieser Ausdruck oft falsch interpretiert. Nur wenige Hänge in den Alpen sind tatsächlich viel befahren. Beispielsweise ein Hang der nach jedem Schneefall innerhalb von ein bis zwei Tagen in eine Buckelpiste verwandelt wird. Musst du aber ein kleines Stück aufsteigen, dann kannst du davon ausgehen, dass der Hang in neun von zehn Fällen kein viel befahrener Hang ist. Auch nach dem ersten und zweiten Schneefall funktioniert das Prinzip "viel befahren" noch nicht.

 Hier gibt es keine Diskussion, dieser Hang ist viel befahren.

Hier gibt es keine Diskussion, dieser Hang ist viel befahren.

 Aber ist dieser Hang auch viel befahren? Oder war an diesem Tag einfach nur viel los?

Aber ist dieser Hang auch viel befahren? Oder war an diesem Tag einfach nur viel los?

Zusammenfassung

  • Schneereiche Winter sind im Allgemeinen sicherer als schneearme Winter.
  • Auch in schneereichen Wintern gibt es Hänge mit einer relativ dünnen Schneedecke.
  • Dicke, vergleichbare Schneeschichten sind günstiger als dünne, unterschiedliche Schneeschichten
  • Durch den Wind und die Geländeform ist die Schneedecke selten homogen, weshalb auch Stellen mit einer dünneren Schneedecke anzutreffen sind. In Kapitel 4 gehen wir näher darauf ein.
  • Oberflächenreif entsteht während einer kalten Schönwetterperiode und eignet sich hervorragend für traumhafte Abfahrten.
  • Oberflächenreif UND Neuschnee UND Wind = akute, erhöhte Lawinengefahr​.
  • Oberflächenreif UND Wind = akute, erhöhte Lawinengefahr.
  • Ein Hang ist viel befahren, wenn er nach jedem Schneefall in eine Art Buckelpiste verwandelt wird.
  • Auf einem viel befahrenen Hang werden die Schwachschichten laufend zerstört.
Videos, Grafiken, Orientierung, andere Informationen oder Content (die "Inhalte") auf dieser Website sind nur für den allgemeinen Bildungs- und Informationszwecke geeignet. Dieses mit dem Grund um das gesamte Sicherheitsbewusstsein im Gelände zu erhöhen. Der Inhalt ist weder beabsichtigt, fachlichen Rat einzuholen oder einen Ersatz für fachliche Beratung. Der Inhalt ist keineswegs einen Ersatz für einen Grundkurs Lawinenkunde. Der Benutzer dieser Website sollten wissen dass Freeriden im Gelände inhärent ist an Risiken sowie schweren Verletzungen oder der Tod. Der Nutzer dieser Website sollte einen qualifizierten Alpinkurs in einem Lawinenzentrums machen.

Diese Information ist Teil der Salomon Mountain Academy. Der Ausgangspunkt für jeden, der abseits der Piste Skifahren oder Snowboarden will. Das gesamte Wissen als Fundament, zur Auffrischung oder als Nachschlagewerk.

Jetzt kostenlos starten!